Das Wahlplakat – eine Replik

Die Hamburger Wahlbeobachter bloggten vergangene Woche über eine Studie von Prof. Dr. Jan Lies und Laura Stefanelli von der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK), die sich im Zusammenhang mit der Bürgerschaftswahl 2011 in Hamburg mit der Wirkung von Wahlplakaten auseinandergesetzt haben.

Hier eine Replik auf die Untersuchung.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine Untersuchung mit 50 Befragten im Rahmen einer Bachelorarbeit zwar ok ist, für allgemein gültige Aussagen, wie sie hier getroffen werden, aber eher ungeeignet ist. Daraus sogar noch Unterschiede in verschiedenen soziodemographischen Gruppen wahrnehmen zu wollen ist aber auch für eine Bachelorarbeit sehr gewagt. Im Artikel ist darüber hinaus auch keinerlei Angabe zur Stichprobenziehung oder zur Zusammensetzung der Stichprobe zu finden…

Aber nicht nur die Erstellung der Studie lässt in mir Fragen aufkommen. Obwohl ich in einigen Punkten der Autorin sehr gerne meinen Glauben schenke – z.B.: “100 Prozent der Befragten gaben an, noch nie eine Partei aufgrund eines Wahlplakats gewählt zu haben.” – doch in ihrer Conclusio liegt die Autorin schon völlig falsch. Sie liefert das Argument sogar schon selbst mit.

Betrachtet man die Tatsache, dass das Wahlplakat hauptsächlich eine Signalfunktion für die bevorstehende Wahl erfüllt, so könnte in Erwägung gezogen werden, parteiübergreifend zu Plakatieren (reine Wahl-Hinweise) und die Partei-Werbung auf andere, kostengünstigere Kanäle zu lenken. Damit würde auch das „Plakatierungsdilemma“ umgangen.

Meiner Meinung nach liegt gerade hier der USP der Wahlplakate. Sie erzeugen Aufmerksamkeit und vor allem Stimmung. Diese Funktion wird den Plakaten auch von 78 Prozent der Befragten dieser Studie zugerechnet. Man geht daher in dieser Arbeit von falschen Voraussetzungen aus. Das Wahlplakat ist kein Instrument, das informieren soll. Es ist ein Instrument der Stimmungs-Erzeugung und dafür sehr gut geeignet.

Einerseits erzeugt das Wahlplakat vor allem bei den eigenen Funktionären und Freiwilligen eine Stimmung. Nicht oft wird zwar über die Plakate geklagt, aber im selben Atemzug auch kritisiert, dass die eigenen Parteiplakate noch nicht aufgestellt sind. Sie sind ein Zeichen des Wahlkampfs, das dazu mobilisiert wieder mit Hausbesuchen zu beginnen und die Werbemittel und Informationsbroschüren unter das Volk zu bringen.

Andererseits erzeugt es meiner Meinung nach auch Stimmung bei der Bevölkerung. Hier sollte eine weiterführende qualitative Studie ansetzen. Wann geht für die Bürger der Wahlkampf los? Braucht es die Wahlplakate, dass man merkt, es ist Wahlkampf? Braucht man sie um zu sehen, dass es dabei nicht nur Bundespolitiker gibt, sondern auch Kandidaten auf der regionalen Ebene?

Eine qualitative Erhebung dieser und weiterer Fragen würde dem Thema wohl eher gerecht werden als die vorliegende quantitative, die wohl auch von Sozialer Erwünschtheit geprägt ist. Vielleicht gibt es ja bei Prof. Dr. Lies noch weitere Bachelorstudenten, die sich diesem Thema in dieser Art und Weise annehmen wollen.

Die Repliken auf diesen Blog-Eintrag

Da die Antworten auf diesen Beitrag vor allem getwitter wurden, soll der Link auch die (spannenden) Einwände gegen diesen Beitrag zeigen.

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One response to “Das Wahlplakat – eine Replik”

  1. derhamburgblogger says :

    Aussagekräftiger für die Beliebtheit der Hamburger Wahlplakate dürfte eine Online-Umfrage des NDR sein, die einen überraschenden Sieger hatte:

    http://www.hamburger-wahlbeobachter.de/2011_02_01_archive.html?m=1

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